Der Schuss ging nach hinten los. In Portugal hat der staatliche TV-Sender RTP mit seiner von der BBC übernommenen Show „Die großen Portugiesen“ für einen echten Skandal gesorgt, der das Land in einem schlechten Licht dastehen lässt. 41 Prozent der Zuschauer entschieden, der bedeutendste Portugiese aller Zeiten ist Ex-Diktator António Oliveira Salazar (1889-1970).
Während in anderen Ländern bei ähnlichen Shows bestimmte Personen der Zeitgeschichte ganz einfach ausgeklammert wurden – in Deutschland Adolf Hitler –, hatte der Sender in Portugal dies nicht für nötig erachtet. Jetzt wird von allen Seiten Kritik laut. Den symbolischen Tod der Nelkenrevolution nannte Schriftsteller Eduardo Lourenço die Wahl. Als Zeichen für die Rückständigkeit Portugals werten die großen Zeitungen das Ergebnis, viele steckten schlicht noch im vorigen Jahrhundert.
Nun beginnt die Ursachenforschung, warum ein Ex-Diktator auf Platz ein und der Widerstandskämpfer Alvaro Cunhal nur auf Rang zwei gekommen ist. Es sei, sind sich die Beobachter einig, ein Protest. Die meisten Portugiesen seien mit der Politik, die schon lange nur Defizite produziere, nicht mehr einverstanden. Gerade die schlechte Wirtschaftslage mache vielen zu schaffen.
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Und bei uns war Karl Marx vorne mit dabei. Die Leute tragen Che-T-Shirts. Wären die DDR-Größen nicht allesamt ziemlich spießig und kleinbürgerlich, hätten einige sicher auch die gewählt!