Portugiesisches Abtreibungsrecht wird liberaler


Das Abtreibungsrecht in Portugal wird liberalisiert. Die Mehrheit des Volkes sprach sich gestern dafür aus, Schwangerschaftsabbrüche während der ersten zehn Wochen zu legalisieren. Bislang drohte portugiesischen Frauen Haft, wenn sie ein Kind haben abtreiben lassen, ohne die sehr eng gefassten Voraussetzungen für diesen Schritt zu erfüllen.

Das Abtreibungsrecht in Portugal stand innerhalb von weniger als neun Jahren zum zweiten Mal zur Abstimmung. Aufgerufen, an der Volksabstimmung teilzunehmen, waren rund 8,7 Millionen Portugiesen. Nur 43,6 Prozent machten von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Zu wenig, um gesetzlich bindend zu sein. Doch schon vorher hatte die Regierung um Ministerpräsident José Sócrates mit Zustimmung der Opposition für diesen Fall angekündigt, dass die Abgeordneten den Weg für ein liberales Abtreibungsrecht freimachen würden, wenn ein entsprechend Votum vorliegt.

Damit folgen sie der Mehrheit von 59,3 Prozent, die sich am Sonntag dafür ausgesprochen hatte. 40,7 Prozent forderten, das geltende Recht beizubehalten. „Abtreibungen werden in Portugal keine Verbrechen mehr sein“, so Sócrates nach dem Referendum. Die Diskussionen im Vorfeld hatten kein klares Bild vom Wahlausgang zeichnen können. Wohl aber hatten sie eine weitaus höhere Wahlbeteiligung in Aussicht gestellt. Darüber zu spekulieren, warum nicht einmal die Hälfte der Portugiesen zur Wahlurne gegangen ist, wäre müßig.

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